Was motiviert Kaufentscheidungen?

Auszug aus einem Essay für die Zeitschrift optic und vision 05-2011:

Ich mache einen Schnitt in meiner Recherche und lehne mich zurück. Ich merke, dass ich so etwas wie ein Resümee ziehen möchte. Was kann ich aus diesen Antworten ableiten? Fest steht: Die Entscheidung zwischen Brille oder Kontaktlinsen hat offenbar keine philosophische oder weltanschauliche Dimension. Es ist anscheinend die Summe von kleinen Annehmlichkeiten bzw. Unannehmlichkeiten, die zum Kauf des einen oder des anderen führt. Es sind erfreuliche oder unerfreuliche Alltagserfahrungen, die irgendwann eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung motiviert haben. Vieles scheint auf der sinnlichen Ebene verhandelt zu werden. Der eine möchte sich nicht in den Augen rumpuhlen, die andere findet es lästig, im Winter ständig die Brille putzen zu müssen. So verschieden wie Menschen sind, so verschieden sind natürlich auch ihre Erfahrungen.

In der Zeit, in der ich für diesen Beitrag recherchiere, bin ich privat auf der Suche nach einem neuen Bett. Auch bei der Wahl der Matratze, sollte ich bald merken, spielt Körperwahrnehmung eine wichtige Rolle. Die faktischen Angaben zu Härtegraden und Liegezonen in den Katalogen waren interessant. Den Ausschlag gegeben hat aber das Gefühl beim Probeliegen. Müsste ich darüber schreiben, es beschreiben –
ich würde ins Straucheln kommen. Es ist eben so ein Körpergefühl, das mit Sprache kaum zu fassen ist. So, vermute ich, ist es auch vielen der Befragten ergangen. Sie alle hatten über die Jahre zig Einzelerfahrungen mit dem Produkt gemacht; diese sind allerdings nicht immer ganz leicht in Worte zu packen.

Drei Dinge scheinen mir nach etwas Überlegung tatsächlich tauglich für ein Fazit:

1.    Menschen (hier: Endverbraucher) sind komplexe Wesen
2.    Entscheidungen sind emotionale und sinnliche Angelegenheiten
3.    Eitelkeit spielt bei Kontaktlinsen eher die zweite Geige

Als Randnotiz noch diese Beobachtung: Fast alle Befragten begannen das Interview mit dem Vorwort: „Bei mir ist das eine etwas besondere Situation, weil…“. Dann wurde eine augenärztliche Diagnose angeführt, die für mich als Außenstehender meistens rätselhaft blieb. Es deutet wohl aber darauf hin, dass es den Regelfall in der Regel nicht gibt.

Meine Abschlussfrage in den kleinen Interviews: „Wenn du auf eine einsame Insel zögest, was würdest du mitnehmen: Brille oder Kontaktlinsen?“ Gisele kam sofort in den Sinn, dass Salzwasser und Sand nicht die besten Bedingungen für Kontaktlinsen sind. Auch Jenny würde sich aus praktischen und hygienischen Gründen für eine Brille entscheiden. Nach einigen Momenten des Überlegens sagt Gisele: „Ich glaube, es kommt letztlich darauf an, wie einsam die Insel ist!“ Ein wenig Eitelkeit ist also schon im Spiel.

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Comments are closed.