Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse (2)

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten und Tipps aus dem Leben eines Werbetexters in Köln. Heute geht es noch einmal um den “creative process”. 

Manche erinnern sich vielleicht, dass es bei meinem letzten Beitrag darum ging, wie wir den Schreibprozess fruchtbarer machen können, indem wir unsere Ideen besser organisieren. Ein Leser sprach mit daraufhin auf das Buch an, das ich in dem Artikel als „Quelle meiner Inspiration“ anführte. Wer Interesse an diesem Buch hat, kann sich hier schlauer machen.

Heute möchte ich einen anderen Vorgang beleuchten. Albert Einstein soll gesagt oder geschrieben haben: „The secret to creativity is knowing how to hide your sources.“ Als ich diesen Ausspruch zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas verstimmt. Ich war im „Sturm und Drang“ und der Meinung, dass der Begriff Kreativität eindeutig von Kreation (also Schöpfung) abstammt. Die Vorstellung von einem Mosaik oder einer Collage schien mir verwerflich. Heute sehe ich das so: Kreativität ist das meistens unbewusste Aufsaugen von Impressionen, Gedankenfetzen und Bilder, die zu einem späteren Zeitpunkt neu arrangiert werden. Früher klang so eine Definition für mich wie Ideenklau. Heute halte ich die Vorstellung, etwas wirklich selber und unabhängig kreiert zu haben, für eine Größenidee. Wir mögen von der Originalität unseres Einfalls vollkommen überzeugt sein – sind es aber nur, weil uns die inspirierenden Momente und Quellen nicht erinnerlich sind. Worauf will ich hinaus?

Für den Schreibprozess bedeutet dies: Wir sollten die Postleitzahlen der Orte kennen, an denen unsere Inspirationen wohnen. Eine für mich ganz wichtige Postleitzahl ist: Zitatesammlungen im Netz. Wenn ich nach der „Gestalt“ eines Textes suche, sind Zitate wie Mentoren, die mir neue Einsichten in meinen eigenen Denkprozess verschaffen. Wenn ich mich frage, was die Essenz (die Botschaft) eines Textes sein soll: Zitate sind mein Freund und Helfer. Ich kann es nur ans Herz legen: Spaziere durch einen „Zitategarten“, wenn Du deinen Schreibprozess ans Laufen bringen möchtest. Übrigens ist die „Kreation“ dieses Beitrags auch einem Zitat zu verdanken. Thank you, Mr. Einstein!

PS: Ich bin anscheinend nicht so gut im „Verstecken meiner Quellen“.
PPS: Buchtipp: „Steal like an Artist“

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

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