Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten aus dem Leben eines Texters in Köln. Heute geht es um den „creative process“ und eine Technik, die das Schreiben und das Geschriebene interessanter macht.

Neulich fragte mich jemand nach meinem Schreibprozess. „Wie genau machst Du das eigentlich, das Texten?“ Ich war, offen gesagt, um eine spontane Antwort verlegen. Am Abend setzte ich mich hin und dachte über eine mögliche Antwort nach. Meine Notizen wurden schon bald „komplex“. Daher habe ich mich entschieden, in der nächsten Zeit nach und nach einige Aspekte zu beleuchten. Essentiell beim Texten ist in meiner Erfahrung das Organisieren von Ideen und Einfällen. Vor ein paar Jahren, als ich mich zeitweilig im Verdacht hatte, ein Teilzeit-Messie zu werden, las ich ein Buch über Selbstorganisation. Ich meine, der Titel lautete „Getting things done“. Ein Vorschlag des Autors ist zum Glück nicht nur in guter Erinnerung geblieben, sondern auch alltägliches Handeln geworden (na ja, an den allermeisten Tagen zumindest). Eine These des Buches lautet, dass unser Gehirn sich entspannen kann, wenn es nur wenige Informationen im „Zwischenspeicher“ aufbewahren muss. Mentale To-Do-Listen blockieren, weil sie „Speicherplatz“ fressen. Daher der Vorschlag, alle To-Dos (so banal sie auch sein mögen) aufzuschreiben. Sind sie einmal auf einem Zettel, kann das Gehirn geschmeidig weiterarbeiten. Für mich hat sich diese These bestätigt. Meinen „Ideenhaushalt“ organisiere ich nach dem gleichen Prinzip. Ideen kommen immer und überall: Beim Ausräumen der Spülmaschine, im Schaumbad, beim Einparken. Mein Rat: Pflücke sie (die Einfälle) so schnell Du kannst! Denn sie sind oft so rasch wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. An guten Tagen habe ich Stift und Zettel immer in Reichweite. Ich schreibe alles s o f o r t auf. Egal was und egal wie. Ja, sogar beim Einparken: Kurz den Gang raus, Stift zücken und aufschreiben. Ein schöner Nebeneffekt dieses Vorgehens ist das warme Gefühl von Wertschätzung. Dadurch, dass ich meine Ideen „würdige“, indem ich sie notiere, entsteht ein Gefühl von Wertschätzung gegenüber dem eigenen „creative process“. Das mag merkwürdig klingen, ich weiß. Aber vielleicht probiert es die eine oder andere aus und kommt zu dem selben Ergebnis. Das würde mich freuen!

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

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