Raus aus der Schreibblockade!

Schreibblockaden sind normal. Völlig normal. Wahrscheinlich ist es einfach unproduktiv, diese Vokabel zu benutzen. Denn die Vorstellung, dass wir ohne Vorbereitung und ohne Pausen schreiben könnten, ist größenwahnsinnig. Innehalten und Vorglühen sind natürlicher Teil des Schreibprozesses – sie sind keine Blockade. Sie sind das Leben.

Einer der schnellsten Wege, eine „Schreibblockade“ zu lockern: Einfach anfangen zu schreiben! So banal ist das. Wie in anderen Bereichen des Lebens: Wer sich aus gesundheitlichen Gründen gerne mehr bewegen möchte, der sollte sofort die Schuhe anziehen und eine Runde um den Block laufen.

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse (2)

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten und Tipps aus dem Leben eines Werbetexters in Köln. Heute geht es noch einmal um den “creative process”. 

Manche erinnern sich vielleicht, dass es bei meinem letzten Beitrag darum ging, wie wir den Schreibprozess fruchtbarer machen können, indem wir unsere Ideen besser organisieren. Ein Leser sprach mit daraufhin auf das Buch an, das ich in dem Artikel als „Quelle meiner Inspiration“ anführte. Wer Interesse an diesem Buch hat, kann sich hier schlauer machen.

Heute möchte ich einen anderen Vorgang beleuchten. Albert Einstein soll gesagt oder geschrieben haben: „The secret to creativity is knowing how to hide your sources.“ Als ich diesen Ausspruch zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas verstimmt. Ich war im „Sturm und Drang“ und der Meinung, dass der Begriff Kreativität eindeutig von Kreation (also Schöpfung) abstammt. Die Vorstellung von einem Mosaik oder einer Collage schien mir verwerflich. Heute sehe ich das so: Kreativität ist das meistens unbewusste Aufsaugen von Impressionen, Gedankenfetzen und Bilder, die zu einem späteren Zeitpunkt neu arrangiert werden. Früher klang so eine Definition für mich wie Ideenklau. Heute halte ich die Vorstellung, etwas wirklich selber und unabhängig kreiert zu haben, für eine Größenidee. Wir mögen von der Originalität unseres Einfalls vollkommen überzeugt sein – sind es aber nur, weil uns die inspirierenden Momente und Quellen nicht erinnerlich sind. Worauf will ich hinaus?

Für den Schreibprozess bedeutet dies: Wir sollten die Postleitzahlen der Orte kennen, an denen unsere Inspirationen wohnen. Eine für mich ganz wichtige Postleitzahl ist: Zitatesammlungen im Netz. Wenn ich nach der „Gestalt“ eines Textes suche, sind Zitate wie Mentoren, die mir neue Einsichten in meinen eigenen Denkprozess verschaffen. Wenn ich mich frage, was die Essenz (die Botschaft) eines Textes sein soll: Zitate sind mein Freund und Helfer. Ich kann es nur ans Herz legen: Spaziere durch einen „Zitategarten“, wenn Du deinen Schreibprozess ans Laufen bringen möchtest. Übrigens ist die „Kreation“ dieses Beitrags auch einem Zitat zu verdanken. Thank you, Mr. Einstein!

PS: Ich bin anscheinend nicht so gut im „Verstecken meiner Quellen“.
PPS: Buchtipp: „Steal like an Artist“

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Werbetexter, Köln: Einfach ist manchmal einfach gut!

Als Werbetexter auf Reisen finde ich mich immer wieder in der Situation, Werbeschilder abzufotografieren. Dieses hier habe ich in dem pittoresken Ort Deidesheim in Rheinland-Pfalz entdeckt. Die Schlichtheit der Botschaft finde ich erfrischend. Heute werben die Kreditinstitute mit soviel Lifestyle-Blabla, dass man sie kaum noch voneinander unterscheiden kann.

Kölner Werbetexter findet: Einfach ist manchmal einfach gut.

Als Texter in Köln unterwegs: Das i-Tüpfelchen

Neulich vor der besten Eisdiele der Stadt. Ein Vater sitzt mit seinen beiden Töchtern auf einer Steinbank. Es ist der vielleicht letzte Spätsommertag 2012 und man schleckt Schokoladeneis. Die Vierjährige: „Papa?“ Papa nickt. „Also, Papa, ich nenne dich Papa und nicht Papi, weil ich die Mami lieber habe und die nenne ich immer Mami.“

Merke: Der Buchstabe „i“ ist die rote Rose unseres Alphabets.

 

Als Texter in Köln unterwegs: Rezept für einen Business-Bestseller

Neulich saß ich mit einem Bekannten, der unerkannt bleiben möchte, in einem Café in Köln. Wir sprachen darüber, wie lässig es wäre, einen Bestseller zu schreiben. Endlich könnte man sich das Steinhaus in Südfrankreich kaufen und Fliegenfischen lernen.

Mein Bekannter (dem ich meinen Bestseller natürlich voller Pathos widmen würde) meinte, dass dies kein schläfriger Wunschtraum bleiben müsse. Er habe ein Rezept zusammengestellt, nachdem man einen Bestseller in der Sparte „Self-help/Wirtschaft“ schreiben könne:

Der Auslöser muss immer ein „einschneidendes Erlebnis“ sein. Hier bieten sich Fischmarktbesuche, Heißluftballonabstürze oder auch Familientragödien an. Dieses Erlebnis ist der Grund, aus dem man als hyperaktiver Macher gar nicht anders kann, als sich hinzusetzen und ein Buch zu schreiben.

Das Rückgrat unseres Bestsellers ist ein Modell, das aus einer Ansammlung von Hypothesen besteht, die so klingen, als seien sie aus dem Angelsächsischen übersetzt. Am besten pickt man sich ein etabliertes Modell heraus und „entwickelt es weiter“. Zur Auswahl: Persönlichkeitsmodelle, militärische Strategien, therapeutische Ansätze etc.

Jetzt kommt der Clou, der unser Buch über die Ödnis der Fachbuchwelt erhebt: Wir „entwickeln“ eine lustige Metapher! Eine Tier-Metapher! Aber Vorsicht: Kakerlaken, Pinguine, Mäuse, Fische und Frösche sind bereits vergeben.
Elementar für den Verkaufserfolg ist, dass dieses Tier namentlich im Titel auftaucht (zum Beispiel: „Die Känguru-Strategie“ oder: Warum Sie sich nicht länger beuteln lassen müssen). Man muss also ein Tier finden, das für ein bestimmtes Verhaltensmuster bekannt ist, welches wir auf Biegen und Brechen auf unser Modell übertragen.

Im nächsten Schritt unterfüttern wir alles mit aktuellen Beispielen aus den Wirtschaftsseiten der Zeitungen. Das Salz in der Suppe sind natürlich charmante Anekdoten, denn sie machen das Buch „unterhaltsam geschrieben“.

So, gleich sind wir schon am Ziel. Nun brauchen wir nur noch ein Vorwort. Geschrieben von einer medialen Persönlichkeit, am besten einem Talk-Show-Experten. Unser Bestseller ist nun druckbereit. Voila! Südfrankreich, wir wären dann soweit…

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Walt Disney gegen die Angst vorm leeren weißen Blatt

Die Angst vor dem leeren Blatt Papier! Kennen wir fast alle. Wie bringe ich also den Ball ins Rollen? Die so genannte Disney-Strategie eignet sich hervorragend. In diesem kleinen Aufsatz möchte ich die NLP-Technik vorstellen.

Texten mit NLP: Brainstormen wie Walt Disney

Zu Beginn bestimme ich einen Raum, in dem der Träumer träumt. Hier ist Brainstormen erlaubt. Mehr als erlaubt. Dieser Raum ist der FKK-Strand der Gedanken. An seiner Tür hängt ein Schild: „Realisten sind Langweiler und Kritiker gescheiterte Künstler!“ Hier sammle ich gnadenlos Ideen für meine Texte. ALLES ist erlaubt, ALLES ist möglich. Mehr noch, je bescheuerter die Ideen klingen, desto willkommener sind sie. In diesem Raum gilt: nur langweilen ist verboten! Eine gute Methode in Stimmung zu kommen sind körperliche Entspannungsübungen. Wir wollen an das Unbewusste, „transderivationale Suchen“ sind Sekretäre, die für uns im Archiv wühlen.

Der nächste Raum gehört dem Realisten. Hier soll das Umsetzungspotential ausgelotet werden. Wer mag, kann sich auch einen Berater (Mentor) vorstellen. Wie bei der Mentortechnik ist es gut, sich eine emotional signifikante Person vorzustellen, die Dich berät. Ich stelle mir gerne einen hartgesottenen Geschäftsmann vor, der schon viel von der Welt gesehen hat und mit seinen Geschäftsideen Erfolge gefeiert und Bauchlandungen verkraftet hat. Natürlich kann auch eine Figur aus der Literatur oder eine Person aus dem öffentlichen Leben heran gezogen werden.

Der dritte Raum ist nüchtern. Vielleicht auch schon von der Einrichtung her. Hier regiert der Kritiker. Er kennt kein Pardon, geilt sich regelrecht an Einwänden auf. Hier kannst Du wieder die Sau rauslassen. Um mit Freud zu sprechen: Zapfe Dein Über-Ich an. Viele von uns kennen die Totschlag-Argumente der so genannten Vernunft: „Das klingt gut, ist aber nicht umsetzbar.“ In dieser Rolle suchen wir die Wimper in der Suppe.

Dann geht es wieder in den ersten Raum. Jetzt kann sich der Träumer richtig ins Zeug legen. Ruhig trotzig sein. Ich denke gerne an eine Anekdote, die man sich über Al Pacino erzählt. Angeblich musste der neun Mal vorsprechen, bevor die Jury des Actor’s Studio ihn für geeignet hielt, dort aufgenommen zu werden. Oder an Ingvar Kamprad, den Gründer von Ikea, und wie ihn die „Experten“ (Kritiker) auslachten, als er mit seiner Schraub-dir-deinen-Schrank-doch-einfach-selber-zusammen-Idee anfing. „Kein Mensch hat Lust, seine Möbel selber zusammen zu bauen“ versprach man ihm gönnerhaft.