Wortspielplätze

Wortspiele sind wie Salsa im Gehirn. Sie freuen unser inneres Kind und verbinden die linke mit der rechten Gehirnhälfte – oder umgekehrt. Wer als unter einer akuten oder chronischen “Schreibblockade“ leidet, kann sich mit Wortspielen gut warm machen. Ist das Thema eines Artikel zum Beispiel “Wortspiele”, könnte ein Gehirnsturm so aussehen:

Wortspieler, Spielwort, Spielwiese, Wortspielwiese, Spielplatz, Wortspielplatz usw.

Da dieser Beitrag in der Rubrik „Texter-Tipps“ steht, noch ein Tipp des Texters: In Werbetexten und Webtexten sollten wir Wortspiele eher zurückhaltend einsetzen. Es ist wie mit den Adjektiven: Sparsam gestreut sind sie das Salz in der Suppe. Zwei Adjektive in einem Satz sind in der Regel schon eins zu viel. Ein Wortspiel in der Überschrift kann den Unterhaltungswert steigern; drei Wortspiele bei einer halben Seite Text wirken selbstverliebt.

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Die Freiheit des Panoramas

Ein schöner Freitag im Mai und wir sitzen beim Inder im Belgischen Viertel. Die Unterhaltung kommt auf die so genannte Panoramafreiheit beim Fotografieren. Am Tisch sitzen unter anderem der Fotograf Frank und sein zehnjähriger Sohn. Frank kommt auf die skurrile Rechtslage zu sprechen, nach der man den Kölner Dom zwar vom Boden aus, nicht aber aus der Luft fotografieren darf, ohne vorher eine Genehmigung einzuholen. Die Panoramafreiheit beschränkt sich nämlich offenbar auf Aufnahmen auf „Passantenniveau“ – das Synonym „Straßenbildfreiheit“ ist da noch anschaulicher. Nachdem wir das Restaurant verlassen haben, zeigt Frank schwärmerisch auf die Quellwolken am Himmel. Sagt sein Sohn: „Von wem muss man sich denn eine Genehmigung einholen, um die zu fotografieren?“

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse (2)

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten und Tipps aus dem Leben eines Werbetexters in Köln. Heute geht es noch einmal um den “creative process”. 

Manche erinnern sich vielleicht, dass es bei meinem letzten Beitrag darum ging, wie wir den Schreibprozess fruchtbarer machen können, indem wir unsere Ideen besser organisieren. Ein Leser sprach mit daraufhin auf das Buch an, das ich in dem Artikel als „Quelle meiner Inspiration“ anführte. Wer Interesse an diesem Buch hat, kann sich hier schlauer machen.

Heute möchte ich einen anderen Vorgang beleuchten. Albert Einstein soll gesagt oder geschrieben haben: „The secret to creativity is knowing how to hide your sources.“ Als ich diesen Ausspruch zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas verstimmt. Ich war im „Sturm und Drang“ und der Meinung, dass der Begriff Kreativität eindeutig von Kreation (also Schöpfung) abstammt. Die Vorstellung von einem Mosaik oder einer Collage schien mir verwerflich. Heute sehe ich das so: Kreativität ist das meistens unbewusste Aufsaugen von Impressionen, Gedankenfetzen und Bilder, die zu einem späteren Zeitpunkt neu arrangiert werden. Früher klang so eine Definition für mich wie Ideenklau. Heute halte ich die Vorstellung, etwas wirklich selber und unabhängig kreiert zu haben, für eine Größenidee. Wir mögen von der Originalität unseres Einfalls vollkommen überzeugt sein – sind es aber nur, weil uns die inspirierenden Momente und Quellen nicht erinnerlich sind. Worauf will ich hinaus?

Für den Schreibprozess bedeutet dies: Wir sollten die Postleitzahlen der Orte kennen, an denen unsere Inspirationen wohnen. Eine für mich ganz wichtige Postleitzahl ist: Zitatesammlungen im Netz. Wenn ich nach der „Gestalt“ eines Textes suche, sind Zitate wie Mentoren, die mir neue Einsichten in meinen eigenen Denkprozess verschaffen. Wenn ich mich frage, was die Essenz (die Botschaft) eines Textes sein soll: Zitate sind mein Freund und Helfer. Ich kann es nur ans Herz legen: Spaziere durch einen „Zitategarten“, wenn Du deinen Schreibprozess ans Laufen bringen möchtest. Übrigens ist die „Kreation“ dieses Beitrags auch einem Zitat zu verdanken. Thank you, Mr. Einstein!

PS: Ich bin anscheinend nicht so gut im „Verstecken meiner Quellen“.
PPS: Buchtipp: „Steal like an Artist“

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten aus dem Leben eines Texters in Köln. Heute geht es um den „creative process“ und eine Technik, die das Schreiben und das Geschriebene interessanter macht.

Neulich fragte mich jemand nach meinem Schreibprozess. „Wie genau machst Du das eigentlich, das Texten?“ Ich war, offen gesagt, um eine spontane Antwort verlegen. Am Abend setzte ich mich hin und dachte über eine mögliche Antwort nach. Meine Notizen wurden schon bald „komplex“. Daher habe ich mich entschieden, in der nächsten Zeit nach und nach einige Aspekte zu beleuchten. Essentiell beim Texten ist in meiner Erfahrung das Organisieren von Ideen und Einfällen. Vor ein paar Jahren, als ich mich zeitweilig im Verdacht hatte, ein Teilzeit-Messie zu werden, las ich ein Buch über Selbstorganisation. Ich meine, der Titel lautete „Getting things done“. Ein Vorschlag des Autors ist zum Glück nicht nur in guter Erinnerung geblieben, sondern auch alltägliches Handeln geworden (na ja, an den allermeisten Tagen zumindest). Eine These des Buches lautet, dass unser Gehirn sich entspannen kann, wenn es nur wenige Informationen im „Zwischenspeicher“ aufbewahren muss. Mentale To-Do-Listen blockieren, weil sie „Speicherplatz“ fressen. Daher der Vorschlag, alle To-Dos (so banal sie auch sein mögen) aufzuschreiben. Sind sie einmal auf einem Zettel, kann das Gehirn geschmeidig weiterarbeiten. Für mich hat sich diese These bestätigt. Meinen „Ideenhaushalt“ organisiere ich nach dem gleichen Prinzip. Ideen kommen immer und überall: Beim Ausräumen der Spülmaschine, im Schaumbad, beim Einparken. Mein Rat: Pflücke sie (die Einfälle) so schnell Du kannst! Denn sie sind oft so rasch wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. An guten Tagen habe ich Stift und Zettel immer in Reichweite. Ich schreibe alles s o f o r t auf. Egal was und egal wie. Ja, sogar beim Einparken: Kurz den Gang raus, Stift zücken und aufschreiben. Ein schöner Nebeneffekt dieses Vorgehens ist das warme Gefühl von Wertschätzung. Dadurch, dass ich meine Ideen „würdige“, indem ich sie notiere, entsteht ein Gefühl von Wertschätzung gegenüber dem eigenen „creative process“. Das mag merkwürdig klingen, ich weiß. Aber vielleicht probiert es die eine oder andere aus und kommt zu dem selben Ergebnis. Das würde mich freuen!

Christian Schmid I Texter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03

Die Optik und die Kunst

Facebook hat viele Gesichter. Neulich stolperte ich über die Statusmeldung einer Kollegin, die offenbar ihre Fotografien bei einem Laden namens OPTION ausstellte. Und irgendwo in der Mitteilung fiel auch das Wort Augenoptik. Aha! Ich klickte mich durch ein paar facebook-Seiten und Websites. Langsam verzog sich der Nebel: Hier küssen sich offensichtlich Kunst und Kommerz. Werden hier die Augenoptikerin zur Teilzeit-Galeristin und die Künstlerin zur Dekorateurin? Ich griff zum Hörer. „Hallo Kirsten, ich habe deine Statusmeldung auf facebook gesehen. Ich glaube, darüber möchte ich etwas schreiben…“ Kirsten ist nicht abgeneigt. Sie erzählt von Organisationen, die als Schnittstelle zwischen Künstlern und Gewerbetreibenden fungieren. Es fallen gewiefte Namen wie Kunsttransit und Kulturzeiträume. Das klingt großartig. Oder sind das wieder solche im Netzwerkrausch ersponnenen Luftschlösser? Kirsten, die im Hauptberuf Kommunikationsdesignerin ist, winkt ab: „Ne, da passiert richtig viel. Das ist spannend und es ergeben sich sehr schöne Kontakte daraus.“ So hat sie dort auch Ulrike getroffen, der das Augenoptikfachgeschäft OPTION in Karlsruhe gehört. Die beiden zeigten ihre Fotografien auf der gleichen Ausstellung und kamen auf der Vernissage bei einem Glas Prosecco ins Plaudern. Kirsten und Ulrike haben sich beide von mir interviewen lassen…

Auszug aus einem Essay für die Zeitschrift optic und vision 01-2012.

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