Copywriter, Köln: Schreibprozesse (3)

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten und Anschauungen aus dem Leben eines Copywriters in Köln. Heute versuche ich mich zum dritten Mal, dem “creative process” anzunähern.  

Als Kind habe ich meine freien Nachmittag auf dem Bolzplatz verbracht. Der Bolzplatz war ein Biotop, in dem ich mich heimisch und herausgefordert gefühlt habe. Jeden Tag bot sich die Gelegenheit, meine Technik zu verfeinern. Das Gefühl, in einem spielerischen Lernprozess zu stecken, war aufregend und Balsam für das Selbstwertgefühl.

Was macht ein Copywriter eigentlich?

Ich bemühe diese Kindheitserinnerung, weil ich gemerkt habe, dass es für mich mit dem Schreiben vergleichbar ist. „Writing is rewriting“ ist eine Feststellung, die ich als Copywriter zu 100% unterschreibe. Khaled Hosseini relativiert es etwas: „Writing for me is largely about rewriting.“ Auf dem Bolzplatz haben wir an manchen Tagen einfach nur Elfer geübt. Hunderte von Elfern. Das war nicht geplant, es hat sich situativ, „aus dem Spiel heraus“, so ergeben.

Bei manchen meiner Aufträge als Copywriter geht es darum, einen einzigen essentiellen Satz zu finden. Einen Slogan für ein Unternehmen oder ein Titel für ein Buch. Wenn ich anfange, Ideen dazu zu notieren, kann es passieren, dass ich Seiten fülle mit Entwürfen, die ich am Ende alle wieder streiche. Es ist wie damals beim Kicken: Immer wieder einen neuen Anlauf nehmen, immer wieder versuchen, den Ball ins Tor zu bekommen.

Als Copywriter in Köln

Ein Beispiel für einen sehr gut gelungenen „Slogan“. Manchmal reichen drei Wörter aus.

Copywriting im Flow-Zustand

An guten Tagen entsteht in solchen Stunden ein Gefühl von Flow, wie es der Autor Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt. Flow ist für mich ein selbstvergessener Zustand, in dem Zeit und Raum kaum noch greifbar sind. Es kann „glücklich machen“, immer neue Varianten und Ansätze zu denken und niederzuschreiben. 

Wenn ich einen Vorschlag dazu machen darf: Sobald dein Gehirn beginnt, stürmisch zu werden, schalte das Telefon aus, logge dich bei Facebook aus und lasse dich treiben. Versuche, deinem inneren Kritiker „das Maul zu stopfen“ und achte nicht auf Stil, Rechtschreibung oder sachliche Richtigkeit. Spiele einfach weiter, spüre wie das Trikot schweißnass wird, die Fußsohlen anfangen zu brennen und dein Gehirn kaum noch fähig ist, analog und kohärent zu arbeiten. Kick it like Beckett!

Die Frage, ob das Produzierte brauchbar ist, kannst Du erörtern, wenn der Sturm sich wieder gelegt hat…

Christian Schmid I Copywriter in Köln und weltweit I 0221 – 97 61 25 03