Der Jo-Jo-Effekt im Marketing

Wir Menschen haben die zerstörerische Neigung, Vorsorge als Luxus zu sehen. So reagieren wir meistens erst dann, wenn es spät ist und teuer wird. 

Die Paartherapie ist ein Paradebeispiel. Meistens witzlos, weil das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Allerdings ist nicht die Therapieform das Problem, sondern das Timing. Die Entscheidungen sind schon getroffen – manchmal vielleicht auch nur unterbewusst.

Im Grunde könnte man also auch ein Eis essen gehen, es hätte einen ähnlichen Effekt auf den Erhalt der Beziehung. Ich überspitze hier natürlich. 

Diese Tendenz kann man auch bei Gesundheitsthemen sehen. Tatsächlich ist ja leider auch das Gesundheitswesen darauf aufgebaut: Die Krankenkasse zahlt in der Regel erst, wenn die Probleme sich körperlich manifestieren

Sogar unsere Ernährung handhaben wir so. Richtig interessiert sie uns erst, wenn die Badehose kneift oder eine Krankheit diagnostiziert worden ist. 

Warum picke ich mir gerade diese Themen raus, wo ihr Sex-Appeal doch begrenzt ist?  

Ihr habt es vielleicht schon erraten: Mit dem Marketing ist es ähnlich. Leider. 

Neulich habe ich mit einem Interessenten telefoniert, der mich über Google gefunden hatte. Nach dem Gespräch habe ich einen Spaziergang gemacht und mich hat die Erkenntnis nicht losgelassen, dass auch dieses Kundengespräch ein mir bekanntes Muster aufweist.

Dieses Telefongespräch ist jetzt eine Woche her und ich glaube, das Muster nun benennen zu können: Der Einfall, etwas in Sachen Marketing zu unternehmen, kommt meistens spät. Zum Beispiel wenn der Umsatz „plötzlich“ eingebrochen ist oder der Markt sich verändert oder die konventionelle Werbung nicht mehr funktioniert. 

Leidensdruck motiviert nun zum Handeln. Aber nur kurz. Zu kurz. So als würde man sich eine Strandfigur wünschen und darum eine neue Diät ausprobieren. Für ganze fünf Tage. „Verdammt, hat gar nichts gebracht!“ 

Wieder im alten Verhalten gefangen, erleben wir den Jo-Jo-Effekt live und in Farbe.

Eigentlich wissen wir alle, dass es nicht darum geht, die perfekte Diät zu finden. So wie es nicht darum geht, die perfekte Marketing-Maßnahme zu finden. Beides gibt es nämlich nicht. 

Was wir finden müssen, ist eine langfristige Perspektive, die zu uns passt. 

Viel wichtiger als der Marketingkanal, die Taktik oder das Budget ist die Frage, ob wir uns ernsthaft vorstellen können, die angepeilte Strategie über mehrere Monate und Jahre umzusetzen. Energisch. Erbarmungslos. Emotionslos. 

Ich habe Kunden, für die blogge ich seit Jahren. Jeden Monat aufs Neue. Irgendwann – und es ist wie Magie – tritt der Zinseszins-Effekt ein. Die Saat geht auf. Der Reifeprozess ist abgeschlossen. 

Dann ziehen diese Unternehmen in den Suchmaschinen an vielen vorbei, manchmal sogar an den ganz Großen. Der stete Tropfen hat den Stein tatsächlich ausgehöhlt.  

Die hingegen, die ihr Marketing nur sporadisch betrieben haben, stehen nicht besser da als vorher. Um Erfahrungen reicher, um Werbebudgets ärmer, aber in der Regel nicht besser im Ranking oder der Relevanz. 

Ich behaupte: Im Marketing ist die Haltung der entscheidende Erfolgsfaktor. Marketingkanäle ändern sich, Marketingstrategien ändern sich, Marketingleiter ändern sich. 

Was aber bleibt, ist die richtige Einstellung: lieber kontinuierlich mit kleinen Schritten dem langfristigen Ziel entgegen steuern, als drei Wochen mit Vollgas zu fahren und dann sieben Monate gar nichts zu tun… 

Auf dieser Seite kannst Du mehr über meine kreative Marketingberatung erfahren: Marketingberatung in Köln und weltweit

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