Warum der Begriff „freier Texter“ zu kurz greift

Freier Texter und Werbetexter sind Begriffe, die mein Angebot zu eng fassen

Ich hadere schon seit langer Zeit mit den Begriffen freier Texter und Werbetexter. Da sie für die meisten Kunden die relevanten Suchbegriffe sind, ist auch meine Website auf diese Begriffe optimiert. Natürlich möchte man bei Google gut gefunden werden! Nichtsdestotrotz merke ich immer wieder, dass sowohl freier Texter als auch freier Werbetexter nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden. Ein Beispiel: Ich erhalte einen Anruf von einem  Unternehmen, das seine Produkttexte neu geschrieben haben möchte. Auf den ersten Blick genau die richtige Anfrage für einen Werbetexter!

Ein freier Texter in Köln bei der Arbeit

Als freier Texter und Werbetexter ist man ein Allrounder

Google, Social Media, Positionierung: alles mit im Mix

Nach ein paar Fragen stelle ich fest, dass diese Produkttexte auch bei Google besser gefunden werden sollen. Ich frage also nach den Keywords. „Die kennen wir nicht genau“, erhalte ich zur Antwort. An dieser Stelle wäre also erst einmal eine Keyword-Recherche angezeigt. Nicht der klassische Job für einen Werbetexter. Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass man nicht bestimmt sagen kann, was das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist. Ohne Alleinstellungsmerkmal wir allerdings nicht an der Positionierung arbeiten, ohne klare Positionierung kann ich meine Zielgruppe nicht bestimmen. Wenn ich meine Zielgruppe nicht beschreiben kann, kann ich meine Werbetexte oder Webtexte auch nicht auf diese abstimmen. Es ist immer besser, für eine klar umrissene Personengruppe zu schreiben, als für die gesamte Bevölkerung des Bundesrepublik.

Mehr als „nur“ ein freier Texter

Am Ende des Gespräches äußert der Kunde dann noch den Wunsch, auch eine facebook-Seite einrichten zu wollen. Auch dabei kann ich helfen, auch wenn es der Begriff Texter nicht unbedingt vermuten lässt. Dies sind einige der Gründe, aus denen ich so ungern sage: „Guten Tag, mein Name ist Christian Schmid und ich arbeite als Texter in Köln.“

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Als Texter am Telefon

Heute habe ich mit einer müde klingenden Call-Center-Mitarbeiterin von Miles and More telefoniert. In einem Call Center zu sitzen und zu schwitzen (31 Grad Celsius und dampfig), stelle ich mir nicht sonderlich lebensbejahend vor, daher kann ich die Grundstimmung gut verstehen. Während ich darauf wartete, mit dieser Mitarbeiterin zu sprechen, nutzte der Konzern in der Warteschleife die Gelegenheit, mir einige andere Produkte schmackhaft zu machen. Meine Ohren standen also auf Durchzug, bis ich folgenden Satz hörte: „Besuchen Sie uns auf miles minus and minus more Punkt com!“ Ein Gentleman genießt und schweigt. Als sich mein Beratungsgespräch mit der erschöpften Dame, nennen wir sie Frau Kontzen, dem Ende zuneigt, spüre ich einen Impuls, den ich nicht bremsen kann. „Ach so, noch eine Sache, nur so am Rande. Wer ist bei ihnen eigentlich für die Werbebotschaften in der Warteschleife zuständig?“ Als würde das irgendetwas zur Sache tun. Als würde Frau Kontzen mit der zuständigen Kollegin gleich in der Kantine Lunch einnehmen. „Hab‘ schon gehört, dass die im Moment nicht ganz rund laufen“, weicht sie verständlicherweise aus. „Ach ja, inwiefern? Nee, eigentlich wollte ich nur sagen, dass es bei einer Webadresse nicht minus, sondern Bindestrich heißen müsste. Zwischen den Wörtern steht kein minus, sondern ein Bindestrich.“ Sie schweigt. Ich schäme mich. Wieso konnte ich das nicht für mich behalten? „Das gebe ich dann mal weiter.“ Ich: „Ist auch nur so eine Kleinigkeit, aber sachlich stimmt halt minus nicht.“ Dann habe ich endlich geschwiegen.

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Als Texter in Köln unterwegs: Schreibprozesse (3)

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten und Tipps aus dem Leben eines Texters in Köln. Heute versuche ich mich zum dritten Mal, dem “creative process” anzunähern.  

Als Kind habe ich meine freien Nachmittag auf dem Bolzplatz verbracht. Der Bolzplatz war ein Biotop, in dem ich mich heimisch und herausgefordert gefühlt habe. Jeden Tag bot sich die Gelegenheit, meine Technik zu verfeinern. Das Gefühl, in einem spielerischen Lernprozess zu stecken, war aufregend und Balsam für das Selbstwertgefühl.

Ich bemühe diese Kindheitserinnerung, weil ich gemerkt habe, dass es für mich mit dem Schreiben vergleichbar ist. „Writing is rewriting“ ist eine Feststellung, die ich zu 100% unterschreibe. Khaled Hosseini relativiert es etwas: „Writing for me is largely about rewriting.“ Auf dem Bolzplatz haben wir an manchen Tagen einfach nur Elfer geübt. Hunderte von Elfern. Das war nicht geplant, es hat sich situativ, „aus dem Spiel heraus“, so ergeben.

Bei manchen meiner Aufträge als Texter geht es darum, einen einzigen essentiellen Satz zu finden. Einen Slogan für ein Unternehmen oder ein Titel für ein Buch. Wenn ich anfange, Ideen dazu zu notieren, kann es passieren, dass ich Seiten fülle mit Entwürfen, die ich am Ende alle wieder streiche. Es ist wie damals beim Kicken: Immer wieder einen neuen Anlauf nehmen, immer wieder versuchen, den Ball ins Tor zu bekommen.

An guten Tagen entsteht in solchen Stunden ein Gefühl von Flow, wie es der Autor Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt. Flow ist für mich ein selbstvergessener Zustand, in dem Zeit und Raum kaum noch greifbar sind. Es kann „glücklich machen“, immer neue Varianten und Ansätze zu denken und niederzuschreiben. 

Wenn ich einen Vorschlag dazu machen darf: Sobald dein Gehirn beginnt, stürmisch zu werden, schalte das Telefon aus, logge dich bei facebook aus und lasse dich treiben. Versuche, deinem inneren Kritiker „das Maul zu stopfen“ und achte nicht auf Stil, Rechtschreibung oder sachliche Richtigkeit. Spiele einfach weiter, spüre wie das Trikot schweißnass wird, die Fußsohlen anfangen zu brennen und dein Gehirn kaum noch fähig ist, analog und kohärent zu arbeiten. Kick it like Beckett!

Die Frage, ob das Produzierte brauchbar ist, kannst Du erörtern, wenn der Sturm sich wieder gelegt hat…

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Die Freiheit des Panoramas

Ein schöner Freitag im Mai und wir sitzen beim Inder im Belgischen Viertel. Die Unterhaltung kommt auf die so genannte Panoramafreiheit beim Fotografieren. Am Tisch sitzen unter anderem der Fotograf Frank und sein zehnjähriger Sohn. Frank kommt auf die skurrile Rechtslage zu sprechen, nach der man den Kölner Dom zwar vom Boden aus, nicht aber aus der Luft fotografieren darf, ohne vorher eine Genehmigung einzuholen. Die Panoramafreiheit beschränkt sich nämlich offenbar auf Aufnahmen auf „Passantenniveau“ – das Synonym „Straßenbildfreiheit“ ist da noch anschaulicher. Nachdem wir das Restaurant verlassen haben, zeigt Frank schwärmerisch auf die Quellwolken am Himmel. Sagt sein Sohn: „Von wem muss man sich denn eine Genehmigung einholen, um die zu fotografieren?“

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Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse (2)

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten und Tipps aus dem Leben eines Werbetexters in Köln. Heute geht es noch einmal um den “creative process”. 

Manche erinnern sich vielleicht, dass es bei meinem letzten Beitrag darum ging, wie wir den Schreibprozess fruchtbarer machen können, indem wir unsere Ideen besser organisieren. Ein Leser sprach mit daraufhin auf das Buch an, das ich in dem Artikel als „Quelle meiner Inspiration“ anführte. Wer Interesse an diesem Buch hat, kann sich hier schlauer machen.

Heute möchte ich einen anderen Vorgang beleuchten. Albert Einstein soll gesagt oder geschrieben haben: „The secret to creativity is knowing how to hide your sources.“ Als ich diesen Ausspruch zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas verstimmt. Ich war im „Sturm und Drang“ und der Meinung, dass der Begriff Kreativität eindeutig von Kreation (also Schöpfung) abstammt. Die Vorstellung von einem Mosaik oder einer Collage schien mir verwerflich. Heute sehe ich das so: Kreativität ist das meistens unbewusste Aufsaugen von Impressionen, Gedankenfetzen und Bilder, die zu einem späteren Zeitpunkt neu arrangiert werden. Früher klang so eine Definition für mich wie Ideenklau. Heute halte ich die Vorstellung, etwas wirklich selber und unabhängig kreiert zu haben, für eine Größenidee. Wir mögen von der Originalität unseres Einfalls vollkommen überzeugt sein – sind es aber nur, weil uns die inspirierenden Momente und Quellen nicht erinnerlich sind. Worauf will ich hinaus?

Für den Schreibprozess bedeutet dies: Wir sollten die Postleitzahlen der Orte kennen, an denen unsere Inspirationen wohnen. Eine für mich ganz wichtige Postleitzahl ist: Zitatesammlungen im Netz. Wenn ich nach der „Gestalt“ eines Textes suche, sind Zitate wie Mentoren, die mir neue Einsichten in meinen eigenen Denkprozess verschaffen. Wenn ich mich frage, was die Essenz (die Botschaft) eines Textes sein soll: Zitate sind mein Freund und Helfer. Ich kann es nur ans Herz legen: Spaziere durch einen „Zitategarten“, wenn Du deinen Schreibprozess ans Laufen bringen möchtest. Übrigens ist die „Kreation“ dieses Beitrags auch einem Zitat zu verdanken. Thank you, Mr. Einstein!

PS: Ich bin anscheinend nicht so gut im „Verstecken meiner Quellen“.
PPS: Buchtipp: „Steal like an Artist“

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Aus dem Leben eines Texters in Köln: Schreibprozesse

In dieser Rubrik findest Du Anekdoten aus dem Leben eines Texters in Köln. Heute geht es um den „creative process“ und eine Technik, die das Schreiben und das Geschriebene interessanter macht.

Neulich fragte mich jemand nach meinem Schreibprozess. „Wie genau machst Du das eigentlich, das Texten?“ Ich war, offen gesagt, um eine spontane Antwort verlegen. Am Abend setzte ich mich hin und dachte über eine mögliche Antwort nach. Meine Notizen wurden schon bald „komplex“. Daher habe ich mich entschieden, in der nächsten Zeit nach und nach einige Aspekte zu beleuchten. Essentiell beim Texten ist in meiner Erfahrung das Organisieren von Ideen und Einfällen. Vor ein paar Jahren, als ich mich zeitweilig im Verdacht hatte, ein Teilzeit-Messie zu werden, las ich ein Buch über Selbstorganisation. Ich meine, der Titel lautete „Getting things done“. Ein Vorschlag des Autors ist zum Glück nicht nur in guter Erinnerung geblieben, sondern auch alltägliches Handeln geworden (na ja, an den allermeisten Tagen zumindest). Eine These des Buches lautet, dass unser Gehirn sich entspannen kann, wenn es nur wenige Informationen im „Zwischenspeicher“ aufbewahren muss. Mentale To-Do-Listen blockieren, weil sie „Speicherplatz“ fressen. Daher der Vorschlag, alle To-Dos (so banal sie auch sein mögen) aufzuschreiben. Sind sie einmal auf einem Zettel, kann das Gehirn geschmeidig weiterarbeiten. Für mich hat sich diese These bestätigt. Meinen „Ideenhaushalt“ organisiere ich nach dem gleichen Prinzip. Ideen kommen immer und überall: Beim Ausräumen der Spülmaschine, im Schaumbad, beim Einparken. Mein Rat: Pflücke sie (die Einfälle) so schnell Du kannst! Denn sie sind oft so rasch wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. An guten Tagen habe ich Stift und Zettel immer in Reichweite. Ich schreibe alles s o f o r t auf. Egal was und egal wie. Ja, sogar beim Einparken: Kurz den Gang raus, Stift zücken und aufschreiben. Ein schöner Nebeneffekt dieses Vorgehens ist das warme Gefühl von Wertschätzung. Dadurch, dass ich meine Ideen „würdige“, indem ich sie notiere, entsteht ein Gefühl von Wertschätzung gegenüber dem eigenen „creative process“. Das mag merkwürdig klingen, ich weiß. Aber vielleicht probiert es die eine oder andere aus und kommt zu dem selben Ergebnis. Das würde mich freuen!

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Aus dem Leben eines Texters in Köln

Das Leben eines Texters ist nicht glamourös. Wer 80% seiner Wachzeit auf seinen vier Buchstaben mit einem Gerät mit drei Buchstaben verbringt, für den kann ein Spaziergang an der frischen Luft eine aufregende Abwechslung sein. Umso schlimmer, wenn einen der Beruf schon nach wenigen Schritten wieder einholt. Nicht, weil das Telefon in der Tasche vibriert oder man einem Kunden in die Arme läuft. Nein, weil man die Ladenschilder liest und interpretiert als wäre es der Lateinunterricht.

Nun gibt es im so genannten Bermuda-Dreieck von Köln einen Laden, der den Slogan „für Stressliebhaber“ zum Besten gibt. Verkauft werden selbstgemachte Eintöpfe, selbstgemachte Pfannkuchen und mehr Hausmannskost. Dieser Slogan bereitet mir Kopfschmerzen, seit ich ihn vor Wochen zum ersten Mal gesehen habe. Hier sind einige der Szenarien, die ich durchgespielt habe. Szenario A: Ich bin sei so ein Typ, der auf Stress abgeht. Ich bin busy, wichtig, abgearbeitet – die ganze Karikatur. Will ich dann Hausmannskost, wie bei Muttern essen? Szenario B: Vielleicht ist es so gemeint: Sobald ich den Laden betrete, beginnt der Stress – denn da stehe ich ja laut Slogan drauf. Es ist hektisch, unfreundlich und schmecken tut es auch nicht. Szenario C: Der Laden ist ein Treffpunkt für Menschen, die andere Gestresste kennen lernen möchten.

Freunde, denen ich von diesem Rätsel berichte, zucken ungerührt mit den Schultern. Eine Antwort ist: „Vielleicht wollten die einfach einen Namen, der Aufmerksamkeit zieht. Damit Leute – so wie du gerade – sich darüber Gedanken machen.“ Ha, als wäre das nicht mein erster Einfall gewesen! Mein Einwand: Müsste nicht selbst dann noch irgendein Zusammenhang zum eigentlichen Geschäft bestehen? Denn nach dieser Argumentation könnte sich der Laden ja auch einen Spruch wie „für Seitensprungexperten“ auf das Schild malen. Der würde wahrscheinlich noch mehr Aufmerksamkeit erregen.

Ein paar Tage später spaziere ich mit meiner Freundin wieder durch das Bermuda-Dreieck. Ich will gerade ein weiteres Szenario entwickeln, aber sie bremst mich aus. Es sei ja nicht so wichtig. Ich weiß, ich weiß. Es ist eine Berufskrankheit. Als wir an dem besagten Geschäft vorbeikommen, packt sie mich sanft am Arm und schiebt mich durch die Tür. Ich stehe wie ein Messdiener vor der Verkäuferin und stelle zögerlich meine Frage. Sie verzieht keine Miene. „Ach so, den Namen hat mein Vater sich damals ausgedacht. Er wollte wohl etwas, dass die Leute aufmerksam macht, etwas Ungewöhnliches. Mehr weiß ich auch nicht.“ Das war’s? Keine tiefere Bedeutung? Ich bin schockiert.

Die Dame schaut mich an. Peinlich berührt bestelle ich einen Pfannkuchen und wir verlassen das Geschäft.

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Als Texter in Köln unterwegs: Das i-Tüpfelchen

Neulich vor der besten Eisdiele der Stadt. Ein Vater sitzt mit seinen beiden Töchtern auf einer Steinbank. Es ist der vielleicht letzte Spätsommertag 2012 und man schleckt Schokoladeneis. Die Vierjährige: „Papa?“ Papa nickt. „Also, Papa, ich nenne dich Papa und nicht Papi, weil ich die Mami lieber habe und die nenne ich immer Mami.“

Merke: Der Buchstabe „i“ ist die rote Rose unseres Alphabets.

 

Als Texter in Köln unterwegs: Rezept für einen Business-Bestseller

Neulich saß ich mit einem Bekannten, der unerkannt bleiben möchte, in einem Café in Köln. Wir sprachen darüber, wie lässig es wäre, einen Bestseller zu schreiben. Endlich könnte man sich das Steinhaus in Südfrankreich kaufen und Fliegenfischen lernen.

Mein Bekannter (dem ich meinen Bestseller natürlich voller Pathos widmen würde) meinte, dass dies kein schläfriger Wunschtraum bleiben müsse. Er habe ein Rezept zusammengestellt, nachdem man einen Bestseller in der Sparte „Self-help/Wirtschaft“ schreiben könne:

Der Auslöser muss immer ein „einschneidendes Erlebnis“ sein. Hier bieten sich Fischmarktbesuche, Heißluftballonabstürze oder auch Familientragödien an. Dieses Erlebnis ist der Grund, aus dem man als hyperaktiver Macher gar nicht anders kann, als sich hinzusetzen und ein Buch zu schreiben.

Das Rückgrat unseres Bestsellers ist ein Modell, das aus einer Ansammlung von Hypothesen besteht, die so klingen, als seien sie aus dem Angelsächsischen übersetzt. Am besten pickt man sich ein etabliertes Modell heraus und „entwickelt es weiter“. Zur Auswahl: Persönlichkeitsmodelle, militärische Strategien, therapeutische Ansätze etc.

Jetzt kommt der Clou, der unser Buch über die Ödnis der Fachbuchwelt erhebt: Wir „entwickeln“ eine lustige Metapher! Eine Tier-Metapher! Aber Vorsicht: Kakerlaken, Pinguine, Mäuse, Fische und Frösche sind bereits vergeben.
Elementar für den Verkaufserfolg ist, dass dieses Tier namentlich im Titel auftaucht (zum Beispiel: „Die Känguru-Strategie“ oder: Warum Sie sich nicht länger beuteln lassen müssen). Man muss also ein Tier finden, das für ein bestimmtes Verhaltensmuster bekannt ist, welches wir auf Biegen und Brechen auf unser Modell übertragen.

Im nächsten Schritt unterfüttern wir alles mit aktuellen Beispielen aus den Wirtschaftsseiten der Zeitungen. Das Salz in der Suppe sind natürlich charmante Anekdoten, denn sie machen das Buch „unterhaltsam geschrieben“.

So, gleich sind wir schon am Ziel. Nun brauchen wir nur noch ein Vorwort. Geschrieben von einer medialen Persönlichkeit, am besten einem Talk-Show-Experten. Unser Bestseller ist nun druckbereit. Voila! Südfrankreich, wir wären dann soweit…

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